Verfassung

Gemeindezukunftstag

Gemeinsam über Zukunft nachdenken

Gemeindezukunftstag "Kirche auf dem Weg"

Bericht vom Gemeindezukunftstag am Samstag, 15. November 2014 , 10-17 Uhr

Vertraut den neuen Wegen Klaus Peter Hertzsch, 1989, EG Nr. 243

…auf die der Herr uns weist. Dieses Lied begleitet uns bereits seit einigen Jahren bei der Entwicklung eines besonderen Profils für unsere Kirchengemeinden im Hochsolling. Es ist zu einer Art Wegweiser geworden in einer Zeit, die mehr und mehr auch den Kirchen Mut zu Veränderungen abverlangt.

Die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Kirchen in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren durch gesellschaftliche Entwicklungen radikal verändert und werden sich weiterhin umwandeln. So gilt es, in einen Entwicklungsprozess einzusteigen, um mit diesen vielfältigen Herausforderungen einer Kirche im Umbruch erfolgreich umzugehen. Insbesondere sind hier der demographische Wandel und die Reduzierung des hauptamtlichen Personals zu nennen.

Damit die Zukunftsfähigkeit kirchlicher Arbeit auch in kleineren Strukturen wie unseren Kirchengemeinden erhalten bleibt, haben Pastorin Sabine Kovačević und die Kirchenvorstände unserer beiden Gemeinden zu einem Gemeindezukunftstag am 15. November 2014 eingeladen. Mit dem Ziel, dass sich viele Gemeindemitglieder, Befürworterinnen und Befürworter unserer Gemeinden an der Entscheidungsfindung bei diesem Veränderungsprozess beteiligen können.

Wir wünschen uns, dass Entscheidungen, die getroffen worden sind und noch getroffen werden, von vielen mitgetragen und nach außen vermittelt werden. „Kirche braucht uns!“, so drückte es eine Teilnehmerin am Ende dieses Tages passend aus, wohin unsere Reise als Gottes Gemeinde gehen sollte! „Sich finanziellen Zwängen selbstbewusst entgegenzustellen sei das Eine, doch letztlich lege Gott die Zukunft seiner Kirche in unsere Hände und Herzen!“

Aus dieser Vision heraus sollte am Gemeindezukunftstag im November in Neuhaus versucht werden, mit der Reflektion auf Altes und Bewährtes, gemeinsam neue Ideen zu sammeln und Perspektiven zu entfalten, um die Zukunft unserer Gemeinde aktiv mitgestalten und mittragen zu können.

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Mit diesen Liedversen haben uns zwei Gemeindeberater aus der Evangelischen Landeskirche
Hannovers auf dem neuen Weg begleitet, die eigens den Veränderungsprozess unserer Kirchengemeinden unterstützen und uns Mut machen, den Entwicklungen positiv zu begegnen.

Pastor Marahrens und Pastor Jensen moderierten auch die neuartige Kirchen-Veranstaltung, die es in dieser Art auch noch nicht bei uns gegeben hat. Und so folgten ungefähr 50 jüngere und ältere Interessierte der Einladung, um darüber ins Gespräch zu kommen, was ihnen wichtig ist an ihrer Gemeinde und welche Vorstellungen sie für deren Zukunft haben. Der Tag gliederte sich in ein morgendliches World-Café und in
arbeitsintensive Workshops am Nachmittag. Dabei kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander ins Gespräch und ins Nachdenken, sie sprachen intensiv über ihre Vorstellungen, Wünsche, Ängste und Ideen.

Nach einer kurzen Einführung der Gemeindeberater ins Thema fand die Diskussion im World-Café an mehreren Tischgruppen statt. Alle waren
aufgefordert, nacheinander alle Tische aufzusuchen und dort für einige Minuten ins Gespräch zu kommen.

Die Impulsfragen an den einzelnen Tischen lauteten:

  • Kirche im Umbruch – wie geht es weiter?
    • Wo kommen wir her? (Biographie unserer Gegend)
    • Wo befinden wir uns jetzt mit unserer Kirche in unseren Orten?
    • Wo wird es hingehen?

Die Kerngedanken dieser Diskussionsrunde wurden abschließend im Plenum gemeinsam erörtert. Ein deutliches Votum wurde ausgesprochen mit der Forderung und zugleich mit dem Wunsch: Kirche vor Ort müsse erhalten bleiben!

In Form von Workshops wurde die innere Motivation der Beteiligten am Nachmittag des Gemeindezukunftstages wahr- und aufgenommen. Die
Tagungsgäste konnten über die inhaltliche und geistige Ausrichtung ihrer Kirche vor Ort miteinander reden und nachdenken, über das „Kirche sein“ in der Zukunft und die eigenen Möglichkeiten, schon jetzt Weichen in und für diese Zukunft der Kirche vor Ort stellen zu können.

Das Votum des Gemeindezukunftstag lautet zusammengefasst: Einmischen erwünscht – Begleitend helfen und beraten – Glauben (neu er-) leben – Kirche vor Ort erhalten…

  • Kirche mischt sich ein:
    • Wir sind der Meinung, dass Kirche uns direkt angeht.
    • Uns ist nicht egal, wie es der Gemeinde geht.
    • Beide kommen ohneeinander nicht aus.
    • Wir können froh sein, das es die Kirche hier vor Ort noch gibt, und das ist ohne zusätzliche Projekte, z.B. der Entwicklung der Profilgemeinde „Kirche auf dem Weg“ nicht möglich.
  • Kirche hilft – begleitet – berät:
    • Wir helfen mit Einladungen zu unseren Gottesdiensten und Veranstaltungen und persönlichen Besuchen.
    • Wir feiern Andachten in den Seniorenheimen, die von Konfirmanden mitgestaltet werden.
    • Wir beraten und helfen Flüchtlingen in unseren Gemeinden.
    • Es gibt Seniorennachmittage und Geburtstagskaffees mit ehrenamtlicher Begleitung.
    • Gern angenommen werden die monatlichen Kaminabende.
    • Eigens ein Verein, der Freundeskreis – wir gehen mit“ e.V., unterstützt und fördert die Profilgemeinde.
    • In Planung ist eine neue Männergruppe „Spiritualität“.
  • Kirche und Spiritualität:
    • Unsere Kirche ermöglicht spirituelle Angebote und kirchliche Begleitung.
    • Unsere Kirche ermuntert, den Glauben unterschiedlich zu (er-) leben.
    • Glauben sucht neue Wege, die Emotionen zulassen. Unsere Gemeinden bieten schon jetzt viele Anregungen für Spiritualität.
  • Kirche auf dem Land erhalten:
    • Wir wollen unsere Gemeinden mit dem Profil „Pilgern“ festigen im Interesse der Landeskirche, die den Prozess bisher maßgeblich fördert.
    • Unser Ziel ist es, bis 2017 zu einer Pilger- Profilgemeinde heranzuwachsen.
    • Wir versuchen, seit dem Jahr 2009, die ½ Pfarrstelle in den Kirchengemeinden zu ergänzen mit Hilfe des Pilgerangebotes und der Entwicklung zu einer Profilgemeinde im Hochsolling, die eine weitere Hälfte einer Pfarrstelle ausmacht.
    • Wir sind uns sicher: Kirche verbindet besonders in kleidie kirchenpolitisch nicht außer Acht gelassen werden darf.
    • Seit dem Jahr 2009 konnten viele (neue) Ehrenamtliche gewonnen werden.
    • Die Kirchengemeinden unterstützen bewusst die Unternehmen vor Ort, in dem die breitgestreuten Angebote in Anspruch genommen werden.
    • Die Zusammenarbeit, Strukturen und Kommunikation von Kirche und Gremien sowohl Unternehmen vor Ort soll weiter ausgebaut werden.

Allen ist Eines ganz wichtig: Sie wollen miteinander füreinander da sein, Christsein in der Gemeinde leben im Vertrauen auf Gott oder wie es in der zweiten Strophe des Liedes von Klaus Peter Hertzsch gesungen wird: Der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Der erste Gemeindezukunftstag im Hochsolling ist somit zugleich ein erstes sichtbares Ergebnis unserer zukunftsfähigen Kirche auf dem Land. „Er soll Startpunkt für weitere gemeinsame Aktivitäten sein“, sprachen sich die engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer Mut zu. Viele Ideen
sind an diesem Tag zusammengetragen worden, einige werden bereits in die Tat umgesetzt.

Ein positives Fazit des Gemeindezukunftstages zogen auch die beiden Gemeindeberater der Landeskirche: „Wir sind freudig und positiv überrascht, dass sich so viele Menschen beteiligt haben und vor allem so viele Jugendliche. Das ist außergewöhnlich. Sie sind eine wirklich lebendige Gemeinde und befinden sich schon jetzt auf einem guten Weg“.

Pastorin, Kirchenvorstand, Besucherinnen und Besucher hoffen auf eine Fortsetzung. „Danke für die Fülle von Ideen, die so phantasievoll
anknüpfen an das, was selbst schon erlebt wird.“
, beschreibt Pastorin Kovačević ihre Eindrücke.

Bleibt noch hinzuzufügen, dass die Wahl des Veranstaltungsortes mit dem Wandelgang im Haus des Gastes in Neuhaus allgemein als sehr positiv empfunden wurde. Kommunikativ und überschaubar haben mehrere Bereiche – Plenum, World-Café, Zukunftsworkshops und Imbissecke – in einem einzigen Raum ihren Platz gefunden. Und während der gesamten Dauer der Veranstaltung konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Foyer bei Café und Kuchen, mittags bei Gulaschsuppe und Brötchen, stärken und miteinander Ihre Erfahrungen austauschen.

Die Zukunft wird im Hochsolling optimistisch angepackt, viele zukunftsweisende Initiativen und Projekte sind bereits im Wachsen. Vieles ist noch zu tun, ganz nach dem selbstgewählten Motto der Gemeinden: Vertraut den neuen Wegen!

Und, wie es so schön in den letzten Versen des Liedes heißt: Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit. (Hertzsch, 1989)

Steuerungsgruppe „Kirche auf dem Weg“
Helga Backhaus, Ingrid Bunnenberg, Klaus Dannenberg, Irmgard Frisch, Sabine Kovačević, Detlef Konrad, Gertrud Lüken, Karsten Möller, Marion Schöckel